2. Advent: Oskar der Ochse - Eine Weihnachtsfabel
Shownotes
In dieser liebevoll erzählten Weihnachtsfabel erlebt Oskar der Ochse eine besondere Nacht im Stall von Bethlehem.
Ein erschöpfter Arbeitsochse, ein philosophisch veranlagter Esel, ein erstaunter Hammel, zwei überschwängliche Lämmer und eine optimistische Henne – alle spüren sie etwas, das größer ist als sie selbst.
Was geschieht, wenn Hoffnung plötzlich einen Platz bekommt? Wenn ein Kind in einer Futterkrippe liegt und Tiere zu Zeugen des Wunders werden?
Eine herzerwärmende, stille und dennoch kraftvolle Geschichte über das Staunen, die Freude und den Frieden, der von einem einzigen Kind ausgeht.
Ideal für die Weihnachtszeit – zum Hören, Weitergeben und Innehalten.
Transkript anzeigen
00:00:06: Die Hirtenkinder wären fast in ihn hineingerannt, auf ihrem Weg aus dem Stall, so aufgeregt waren sie.
00:00:14: Und Oscar der Ochse staunte nicht schlecht, als er nach seinem langen Tag bei der Arbeit auf dem Feld in seinen Stall zurückkam.
00:00:22: Gestern waren diese hübsche Frau mit dem dicken Bauch und ihr Mann gekommen und hatten sich hier einquartiert.
00:00:31: Und jetzt lag da, wo er sonst gewöhnlich sein geliebtes Heu fand ein.
00:00:36: Ja.
00:00:37: »Was, Menschenkind, und dieser Esel?
00:00:44: Woher kam der eigentlich?«.
00:00:47: »Wer, wer ist denn dieser Esel, der da an meinem Futterdruck steht?
00:00:53: Hat mein Herr Elfer noch mehr Tiere, von denen ich nichts weiß?«.
00:00:57: Dieser Esel starte das Kind die ganze Zeit an und murmelte vor sich hin.
00:01:03: »Hm, da habe ich seine Mutter und ihn im Bauch seiner Mama hergetragen und...«.
00:01:09: Jetzt werde ich ihn wohl auch wieder nach Hause tragen, irgendwann.
00:01:14: Und irgendwann mit einer wie ich ihn wieder tragen, dass das wird ganz wichtig.
00:01:20: Ganz wichtig, ja!
00:01:24: Hanan, der
00:01:24: Hammel,
00:01:25: der sonst immer auf Streitaus war und jeden anbockte, war auch wie ausgewechselt und blökte immer wieder.
00:01:32: Der Heiland, der Heiland!
00:01:37: Bald traut die Henne, pickte Oskar zwischen den Hufen herum und gackerte nur,
00:01:43: alles
00:01:43: wird gut, jetzt wird alles
00:01:47: gut.
00:01:49: Und Liddy und Luddy, die beiden Lämmer, machten immer wieder Freudensprünge, aber nur kleine, nicht dass das Kind in der Krippe gestört würde.
00:01:58: Oskar sah in seinen Futterdruck und brummte in die Runde.
00:02:04: Seid ihr alle übergeschnappt?
00:02:07: Was soll das da in meiner Futterkrippe?
00:02:10: Lidi das Lämmchen blökte.
00:02:12: Die
00:02:13: Männchenmutter hat ein Männchenlamm geworfen.
00:02:16: Ja, ein Männchenlamm.
00:02:19: Halleluja!
00:02:22: Kein Lamm geworfen,
00:02:23: lachte Hannah an der Hammel.
00:02:26: Ein Kind geboren, so heißt das beim Männchen.
00:02:30: Ach so, ja dann, aber irgendwie ist ja auch ein Lamm, oder?
00:02:36: Oscar wunderte sich immer noch.
00:02:38: Er hatte ja nichts mitbekommen von dem, was die anderen Tiere vorher erlebt hatten, wie die Hirten gekommen waren und erzählt hatten von diesen Engeln und dem, was sie gesungen und gesagt hatten.
00:02:50: Er war auf dem Feld und hatte gedroschen, war müde und wollte nur noch seine Ruhe.
00:02:55: Aber jetzt lag da dieses Menschenkind in seinem Trog.
00:02:59: Sollte er um ihn herum das Stroh langsam knabbern?
00:03:05: Aber je länger er ihn ansah, Umso weniger interessierte er sich für sein Stroh oder dafür, dass er den ganzen Tag auf dem Feld gewesen war.
00:03:14: Er wurde auf einmal ganz still und seltsam froh.
00:03:19: Dieses Kind, das einfach nur da lag, war wohl jemand ganz Besonderes.
00:03:26: Und die Art wie Hannan immer wieder,
00:03:28: der Heiland, der Heiland,
00:03:32: blökte und walltraut.
00:03:34: Jetzt wird alles
00:03:36: gut.
00:03:38: Rührten sein altes Ochsenherz und er fragte noch einmal.
00:03:42: Also,
00:03:43: noch mal ganz langsam.
00:03:45: Wer sind die Leute?
00:03:47: Und warum sind sie hier?
00:03:49: Und
00:03:50: warum seid ihr alle so seltsam?
00:03:53: Und
00:03:53: ich selbst
00:03:54: auch.
00:03:55: Plötzlich redeten Blöken und Gackerten alle durcheinander und überschlugen sich fast, weil jeder zuerst berichten wollte.
00:04:02: Oscar mutte in die Runde.
00:04:08: »Erzähl du!«.
00:04:09: Das war keine besonders gute Wahl, denn Hannan war nicht unbedingt der Schlauste in der Runde.
00:04:15: Er blökte nur einmal mehr.
00:04:18: »Der Heiland!«.
00:04:21: Dann legte er sich auf den Bauch und glotzte versonnen durch den Stall hin zum schlafenden Jesus.
00:04:27: »Na gut, daneben der komische Esel!«.
00:04:32: Der Esel schüttelte kurz die Ohren und begann sanft und mit einem entzückten Lächeln, wie es nur Esel haben können, zu sprechen.
00:04:40: Ja, also, hallo erst mal.
00:04:44: Ich bin der Elon, ne?
00:04:46: Also, der Esel von Josef, das ist der Mann, der so glücklich und blöde grinst, dass er fast auch ein Esel sein könnte.
00:04:54: Und von Maria, das ist diese schöne erschöpfte junge Frau, die dieses Lämmchen hier zur Welt gebracht hat.
00:05:02: Ich weiß auch nicht, aber alles was diese hirten Kinder gesagt haben von diesem Irrenglanz und von den Engeln und von diesem Kind, dass der Retter der Welt ist und seinen Volk erlösen wird, das ist doch für ein Esel echt zu viel.
00:05:18: Und trotzdem, ja, ich bin glücklich, dass ich ihn tragen durfte und darf.
00:05:25: Und warum alle so seltsam sind und du auch.
00:05:30: Das muss wohl daran liegen, dass Gott selbst bei uns im Stall liegt.
00:05:35: Keine Ahnung warum und wie, aber er macht das mit allen, die ihn ansehen.
00:05:41: Maria hat auf dem Weg hierher irgendwann mal über ihr Kind gesprochen und gesagt, er würde Frieden bringen.
00:05:48: So ist das wohl.
00:05:51: Ohne dass man irgendwas dazu tun kann, kommt... So Hoffnung und Friede und Vertrauen und Ruhe in einem auf.
00:06:01: Es ist ein bisschen so wie fröhlich traurig schön oder Eselfroh.
00:06:07: Vielleicht auch für Ochsenglück.
00:06:11: Aber was wissen wir schon?
00:06:12: Wir sind Tiere.
00:06:19: Hürte man noch einmal von Wald traut.
00:06:21: Jetzt wird alles gut.
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