Hinter dem Schleier der Welt - Podcast Folge 2
Shownotes
Was macht Hinter dem Schleier der Welt so packend – und warum fühlt es sich stellenweise so „real“ an, obwohl es ein Thriller ist?
In dieser Episode sprechen wir mit Daniel Leon über: • Israel und Jerusalem als mehr als nur Kulisse: Orte, Gerüche, Geschichte – und warum Authentizität hier zentral ist • Archetypen und Figuren: Dor als kraftvolle Gegenpol-Figur, „gebrochene“ Charaktere und der Weg Richtung Ganzwerdung • Unsichtbare Realität vs. sichtbare Welt: Wo der Roman spirituelle Motive mit Ideen aus Wissenschaft und Informationsbegriff (Logos) verknüpft • Tunnel, Geheimnisse, politische Spannungen: wie viel Recherche drinsteckt – und wo bewusste Fiktion beginnt • Licht als „Akteur“: Symbolik, Wirkung, Transformation – und weshalb Liebe als Gegenkraft eine Rolle spielt • Schreiben mit Verantwortung: historische Genauigkeit, emotionale Wahrhaftigkeit und die Frage, was Geschichten mit uns machen
Jörg bringt außerdem ausgewählte Textstellen mit (kurz und ohne Auflösung der großen Geheimnisse), während Joe die Fäden zusammenzieht: Was ist Erzählung – und was fühlt sich an wie Wahrheit?
Am Ende bleibt eine Einladung: Nicht nur lesen, „konsumieren“, sondern den Schleier anheben – und selbst prüfen, was dahinter liegt.
Transkript anzeigen
Mitte der 1970er Jahre konzentrierte sich ihre Rache ausschließlich auf Jakob und seine Familie. Der Grund dafür war, dass der jordanische Geheimdienst 1972 herausgefunden hatte, dass es dieser jüdische Professor war, der die entscheidende Entdeckung gemacht hatte, die zur Entwicklung eines Angriffsplans führte, der schließlich am 7. Juni 1967 zur Eroberung der Altstadt führte. Es soll geheimes Videomaterial von einem Treffen in Riad aus dieser Zeit geben.
In dieser Folge tauchen wir tief in die Geschichte von Daniel Leons Thriller „Behind the Veil of the World“ ein. Daniel erklärt, wie reale Orte in Israel, archäologische Funde und persönliche Visionen zu einem vielschichtigen Erzählkosmos verschmelzen.
Seine Expertise als Autor eines Nachschlagewerks zum Nahostkonflikt verleiht dem Roman eine außergewöhnliche Authentizität – eine Reise zwischen Licht und Dunkelheit, Glauben und Erkenntnis.
Der Mann schreibt hier nicht aus Bauchgefühl oder Meinung, sondern weil er tief in das Thema eingetaucht ist – wissenschaftlich, historisch, faktisch. Und genau diese Tiefe macht seinen Roman so besonders.
Daniel und Jörg, schön, dass ihr wieder da seid. Hallo. Hallo.
Lassen Sie uns gleich mit meiner ersten Frage an Sie beginnen, Daniel. Israel ist nicht nur Kulisse, sondern das Herzstück Ihrer Geschichte. Du hast dich intensiv mit der Region beschäftigt und sogar ein Nachschlagewerk zum Nahostkonflikt veröffentlicht, wie wir vorhin gehört haben. Das ist wichtig, denn dein Roman ist nicht aus persönlicher Sympathie entstanden, sondern basiert auf fundiertem Wissen. Und dieses Wissen verwebst du mit Symbolik – Jerusalem, Wüste, Licht und Schatten. Gibt es Figuren, die du als Archetypen geschaffen hast, oder sind sie von selbst entstanden?
Nun, es gibt eine Figur, die definitiv ein Archetyp ist. Das ist Dor. Es ist diese mächtige Engelsgestalt am Anfang. Ich habe ihn als Archetyp für den Himmel geschrieben, der die Erde beherrscht – mit anderen Worten, für die himmlische Realität, die weit mächtiger ist als die natürliche, irdische Realität und letztendlich alles andere beherrscht. Darum geht es in dem Roman. Man könnte auch sagen, es geht darum, wie der Geist über die Materie herrscht und sie letztendlich beherrscht.
Ein weiteres archetypisches Bild ist das der gebrochenen Menschen – Menschen, die geheilt werden können und den Weg zur Heilung finden. Es war mir sehr wichtig, das von Anfang an einzubauen: dass es sich um eine Reise zur Ganzheit handelt, begleitet von der himmlischen Realität, in der Spannung zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen.
Die Grundidee dieses Romans ist eigentlich schnell erzählt und gleichzeitig ziemlich groß. Es gibt eine Realität, die wir nicht sehen können, und genau diese unsichtbare Ebene ist die Grundlage dessen, was wir als Realität erleben. Das Spannende daran ist, dass dies keine rein spirituelle Idee ist. Auch die moderne Wissenschaft stößt immer wieder auf diesen Punkt. Ob es nun um den Urknall oder um genetische Informationen geht – am Anfang steht nicht die Materie, sondern die Information. Ein Code. Eine Ordnung. Etwas, das Struktur schafft, bevor irgendetwas fest wird.
Hier verbindet der Roman die Naturwissenschaft mit einer sehr alten Idee: dem biblischen Logos, dem Wort der Schöpfung – nicht als religiöser Club, sondern als Konzept. Logos bedeutet nicht nur Wort, sondern auch Bedeutung, Logik, Information. Am Anfang steht also nicht das Chaos, sondern die Bedeutung; nicht die Masse, sondern die Ordnung. In diesem Zusammenhang ist das berühmte „Es werde Licht“ weniger ein Lichtschalter als vielmehr der Moment, in dem Information wirksam wird. Und genau dieses Licht begleitet uns durch den Roman – durch Zweifel, durch Dunkelheit, durch all die Schichten, die wir normalerweise nicht sehen wollen.
Die zentrale Idee ist, dass es zwei Realitäten gibt. Deshalb beschreibe ich eine spirituelle oder himmlische Realität und eine irdische, natürliche Realität. Was im Himmel geschieht – im Kosmos, im Geist – bestimmt letztlich die Ereignisse auf der Erde. Die Kämpfe, die ich beschreibe, zum Beispiel die, die Dor mit anderen mächtigen Engeln austrägt, haben Auswirkungen auf irdische Ereignisse. Auch die Bibel beschreibt dies sehr deutlich: wie die himmlische Welt in die natürliche Welt eingreift. Dies ist auch ein häufiges Thema in vielen mythologischen Geschichten.
Eine metaphysische Realität dringt in die natürliche Welt ein und beeinflusst sie. Glauben Sie wirklich, dass dies der Fall ist, oder ist dies nur Teil Ihres Romans?
Ich erlebe das immer wieder in meinem Leben. In meinem letzten Podcast habe ich bereits meine Erfahrungen mit dämonischen und himmlischen Mächten angesprochen. Als Christen glauben wir an die Kraft des Gebets – dass sich Dinge ändern, dass Wunder geschehen. Die Bibel basiert auf diesem Prinzip: dass Gebete erhört werden und übernatürliche Kräfte in die Welt eingreifen. Wunder sind Momente, in denen physikalische Prozesse von einem höheren Gesetz außer Kraft gesetzt werden – einem Gesetz, das wir vielleicht noch nicht verstehen, das aber mächtiger ist.
Würden Sie diese Kraft einfach als das Universum bezeichnen?
Viele Menschen verwenden unterschiedliche Namen dafür. Religion existiert, weil Menschen versuchen, das Unbeschreibbare zu beschreiben. Als Christ sage ich, dass es Gott ist – der Gott Israels –, der in die Geschichte eingreift. Und die große Erzählung gipfelt darin, dass Jesus Christus Mensch wird, Fleisch wird und in beiden Bereichen wohnt. Das ist das Kernparadigma des Neuen Testaments.
Haben Sie während der Entwicklung des Romans wiederkehrende Bilder überrascht?
Ich sah immer wieder einen Löwen und einen Adler. Der Löwe kehrte öfter zurück, als ich erwartet hatte. In der Bibel und in der Heraldik steht der Löwe für Macht und Herrschaft. Jesus wird als der Löwe aus dem Stamm Juda beschrieben – als eine Kombination aus Lamm und Löwe. Dieses Bild tauchte immer wieder auf und prägte sogar eine israelische Geheimdienstoperation im Roman namens „Operation White Lion”. All das floss ganz organisch in das Schreiben ein.
In diesem Moment wurde der weiße Löwe für Sie Realität?
Ja. Er wurde für mich sehr real. Ich hatte sogar eine Vision davon. Vieles von dem, was geschrieben steht, ist eine subjektive Erfahrung.
Eine Figur, die den Leser sofort in ihren Bann zieht, ist Dor, der Engel. Sie sind mit ihm vertraut, nicht wahr?
Ja, das sind wir.
Er ist älter als Sie.
Viel älter. Um mehrere Äonen. Ich unterhalte mich gerne mit ihm.
Aber da ist auch Dennis, der gebrochene Mensch. Warum braucht die Geschichte beide?
Ich wollte diese beiden Pole darstellen: himmlische Macht und irdische Gebrochenheit. Die Bibel beginnt mit einem Sündenfall. Die Menschheit ist gebrochen, und das kristallisiert sich in Dennis. Im Gegensatz dazu wollte ich zeigen, was die Menschheit werden kann – wiederhergestellt und mit Gott regierend.
Jörg, was hat dich an dieser Engelsfigur gereizt?
Er wirkt sowohl real als auch übernatürlich – emotional und doch überragend und unbezwingbar. Ein Wesen aus einer anderen Dimension, das geschickt wurde, um über einen einzigen Menschen zu wachen. Dieser Kontrast hat mich fasziniert.
[Es folgt ein Auszug aus dem Roman, unverändert.]
Wenn du es jetzt wieder hörst, Daniel, was empfindest du?
Es ist seltsam und elektrisierend. Ich beschreibe wiederholt, was ich sehe. Ich lebe in den Bildern der Bibel, die voller kraftvoller Metaphern ist.
Eine weitere wichtige Figur ist Esther. Warum spielt sie eine zentrale Rolle?
Sie ist eine Metapher für die Menschheit als Gegenstück zu Gott. In der christlichen Theologie wird die Kirche als Braut Christi beschrieben. Esther verkörpert diese Idee, und ihre Rolle entfaltet sich gegen Ende der Geschichte.
Es gibt auch eine namenlose Figur.
Sie ist die wichtigste Figur, deshalb braucht sie nicht viele Worte. Ihre Präsenz spricht für sich.
Henrik Lewis bringt Ruhe in die Dunkelheit. Warum war das wichtig?
Er steht für ein nüchternes, bodenständiges Christentum – frei von Fanatismus. Ich wollte zeigen, dass es einen normalen, nachdenklichen Glauben gibt.
Und der Polizeikommissar?
Er steht für die Vernunft, die mit dem Unerklärlichen konfrontiert wird. Er will Beweise, Logik – und ist gezwungen, seine Weltanschauung in Frage zu stellen.
Die dämonischen Bilder sind intensiv.
Ich wollte Licht und Dunkelheit als echte Gegensätze darstellen. Die Dunkelheit sollte nicht unterschätzt werden. Einige dieser Bilder basieren auf persönlichen Erfahrungen, nicht nur auf Fiktion.
War Stephen King eine Inspiration?
Ja. Vor allem „Der dunkle Turm“. Epische Erzählkunst, die tiefe Realitäten erforscht.
Talmon, eine weitere engelhafte Figur – wer ist er?
Wenn Dor der Kommandant ist, dann ist Talmon sein erster General. Er bringt Ruhe und erinnert Dor an Gottes Verheißungen.
Die Geschichte ist voller geheimer Orte und Tunnel. Wie viel davon ist real?
Etwa 80 % sind real. Orte wie der Hiskia-Tunnel oder das King David Hotel sind historisch korrekt. Ich war selbst dort.
Gibt es einen Ort, dessen Geruch Sie noch immer in Erinnerung haben?
Das King David Hotel. Die Gerüche, die Geschichte – man kann sie spüren.
Die Tunnel unter Jerusalem spielen eine wichtige Rolle.
Vieles davon basiert auf realen historischen Ereignissen, die durch Fiktion erweitert wurden.
Wie wichtig war Ihnen historische Genauigkeit im Vergleich zu emotionaler Wahrheit?
Beides. Emotionale Wahrheit hilft dabei, historische Fakten ins Herz zu schließen.
Haben Sie das Gefühl, dass die Geschichte polarisiert?
Auf jeden Fall. Provokation ist beabsichtigt. Ohne sie sind Geschichten langweilig.
Einige Elemente wirken im Nachhinein prophetisch.
Ja. Ich habe Raketenangriffe auf Israel beschrieben, lange bevor sie stattfanden.
Licht ist ein zentrales Thema.
Licht ist Schöpfung, Offenbarung, das Leben selbst. Ohne Licht existiert nichts. Es ist eine universelle Metapher in allen Religionen.
Licht führt auch zu Liebe.
Liebe bringt Klarheit. Liebe lässt Licht in die Seele eindringen. Ein Mensch, der liebt, strahlt.
Zum Schluss: Was würden Sie jemandem sagen, der das Buch noch nicht gelesen hat?
Dieser Roman lädt Sie in eine Welt ein, in der Fantasie und Realität verschmelzen – ein Blick ins Unsichtbare.
„Behind the Veil of the World“ ist kein Buch, das man einfach nur konsumiert. Es konfrontiert, fordert heraus und stellt Fragen nach Wahrheit und Verantwortung. Israel ist nicht nur Schauplatz, sondern ein Brennpunkt der Geschichte und des Glaubens.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bleiben Sie wachsam – und lüften Sie den Schleier.
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